Hilda Sehested

Hilda Sehested

 

1911 erschien in der „Bonner Konzert- und Theaterzeitung“ ein Artikel über die Komponistin, in dem u.a. stand: „Hilda Sehested ist unter den komponierenden Damen, die je gelebt haben, die bedeutendste und als Komponistin durchaus ernst zu nehmen. Sie kann die Konkurrenz mit dem Manne in ihrer Kunst aufnehmen…Was nun allen ihren[…]bekannten Werken zu eigen ist, das ist der tiefe Ernst, der sie durchlebt. Dabei eine männliche Kraft, eine farbenblühende Melodik, ein Streben nach Selbständigkeit, mit peinlicher Vermeidung des Trivialen und Süsslichen…“

Heute ist der Name der Komponistin in Vergessenheit geraten, ihre Werke sind unbekannt und der breiten Musiköffentlichkeit unzugänglich. Dabei genoss Hilda Sehested schon zu Lebzeiten Anerkennung und Erfolg. Ihre Musik und ihre dramatische Biografie bilden zweifellos ein bedeutendes Kapitel der skandinavischen Musikgeschichte.

 

Hilda Sehested kam als das zwölfte von vierzehn Kindern des angesehenes Gutsbesitzers, Kammerherren und Hofjägermeisters Niels Frederik Bernhard Sehested und seiner Frau Charlotte Christine am 27. 04. 1858 auf Gut Broholm bei Gudme auf Fünen zur Welt. Zusammen mit ihren Geschwistern wuchs sie in einer idyllischen Atmosphäre, einem kultivierten und liberalen Elternhaus auf und genoss eine privilegierte Erziehung. Sie studierte Klavier und Komposition bei C. F. E. Hornemann in Kopenhagen und Louise Aglae Massart in Paris, bevor sie in die Kompositionsklasse von Orla Rosenhoff (1844-1905) kam, zu der auch Carl Nielsen gehörte. Bis 1896 komponierte Hilda Sehested in einem spätromantischen Stil mehrere Klavier-, Kammermusik-, und Vokalwerke, die teils auf deutscher romantischer Tradition, teils auf dänischer Nationalromantik basierten. 1896 unterbrach sie ihre Kompositionsstudien. Sie verlobte sich mit dem Archäologen und Historiker Henry Petersen (1849-1896), dessen tragischer Tod, einen Monat vor der geplanten Hochzeit, ihr Leben auf dramatische Weise veränderte. Sie war so deprimiert, dass sie jegliche Verbindung zur Musik abbrach und sich entschloss, als Krankenschwester zu arbeiten. Erst 1899 (nach anderen Quellen 1901) kehrte sie zur Musik zurück, begann mit dem Orgelunterricht bei L. Birkedal-Bartod und mit den Kompositionsstudien bei Rosenhoff wieder. In den nächsten 30 Jahren wirkte Hilda Sehested als Komponistin und freischaffende Künstlerin, die sich aktiv an dem Musikleben Kopenhagens beteiligte. Sie trat als Pianistin und Kammermusikerin auf, war Mitbegründerin des Østerbro Kammermusikvereins und Vorstandsmitglied des Dänischen Konzertvereins. Die meisten ihre Werke wurden aufgeführt, einige auch publiziert. Die Kritiker lobten ihre solide theoretische Ausbildung und farbenreiche Klangsprache.

Hilda Sehested wird als begabte, lebenslustige und romantisch veranlagte Person mit viel Sinn für Humor beschrieben. Sie hatte einen engen Freundeskreis und zog im fortgeschrittenen Alter mit einer jungen Violinistin Ebba Høyrup zusammen. Sie starb am 15. April 1936 an den Folgen einer Lungenentzündung. Ausgewählte Werke der Komponistin wurden 1996/97 von hervorragenden dänischen Musikern bei dem Label Dacapo Records aufgenommen.

 

Einen besonderen Aspekt der kompositorischen Tätigkeit Hilda Sehesteds bilden Werke für Blasinstrumente. Die Vorliebe für Bläser zeichnete sich in mehreren Stücken aus, darunter die Suite für Cornet in B und Klavier, Zwei Fantasiestücke für Englischhorn und Streichquartett, sowie das vorgelegte Morceau pathétique pour Trombone et Piano. Über dieses Stück, das 1923 vom französischen Verlag Evette et Schaeffer Successeur Paris publiziert wurde, schrieb der Münchner Professor Gaetke von der Akademie der Tonkunst: „Wir Posaunisten dürfen erfreut sein, unsere Literatur um eine wertvolle Pièce bereichert zu wissen“. Das Stück wurde am 7. Februar 1924 von dem renommierten dänischen Posaunisten Anton Hansen, dem es auch gewidmet ist, aufgeführt. Die vorliegende Ausgabe orientiert sich in der Partitur an dem Manuskript der Komponistin, die beiden Stimmen sind in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten. Die Herausgeber möchten mit diesem Stück zur Bereicherung des romantischen Bläser-Repertoires beitragen und hoffen, dass sie unter Posaunisten viele Freunde finden wird, die die Frische, Vitalität und die wunderbare spätromantische Melodik des Werkes zu schätzen wissen werden.

 

Bella u. Siemion Kalinowsky

Posaune & Klavier

Morceau pathétique pour Trombone et Piano

http://crescendo.jimdo.com/noten/posaune-klavier-orgel/